Höhn und Witt präsentieren Thüringer Bericht zum DGB-Index „Gute Arbeit“

Arbeit & Wirtschaft

Trotz der guten Arbeitsmarktentwicklung der letzten Jahre hat Thüringen Nachholbedarf bei Entlohnung und Arbeitsbedingungen. Das hat Wirtschafts- und Arbeitsminister Uwe Höhn heute mit Blick auf die Ergebnisse des Landesberichts Thüringen zum DGB-Index „Gute Arbeit“ deutlich gemacht. „Der Anteil der Arbeitnehmer in den unteren Lohngruppen ist in Thüringen immer noch überdurchschnittlich hoch“, sagte Höhn heute in Erfurt. So verdienen gut 60 Prozent der Beschäftigten im Land weniger als 2.000 Euro im Monat – im Bundesschnitt lediglich 50 Prozent. Dabei hätten die Beschäftigten in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten einen entscheidenden Beitrag zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Thüringens geleistet. „Das muss sich auch in der Entlohnung ausdrücken“, so der Minister.

Der stellvertretende Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Sandro Witt, sieht vor allem die hohen körperlichen und gesundheitlichen Belastungen der Thüringer Beschäftigten kritisch. „Mehr als 70 Prozent müssen häufig oder sehr häufig körperlich schwer arbeiten oder Lärm und Umweltbeeinträchtigungen ertragen“, sagte Witt. Gesundheitsförderung gebe es allerdings in weniger als einem Drittel der Betriebe. „Wir brauchen deshalb mehr und wirksamere Vereinbarungen über einen betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz.“

Der DGB-Index „Gute Arbeit“ ist eine bundesweite Arbeitnehmerbefragung zur Arbeitssituation, zu den Arbeitsbedingungen und zur Entlohnung in den Betrieben des produzierenden Gewerbes. Auf Initiative des Wirtschaftsministeriums war die Zahl der in Thüringen Befragten auf insgesamt 1.003 erhöht und die Studie um einige Fragen zum Wirtschaftsstandort ergänzt worden.

Damit konnte durch die Friedrich-Schiller-Universität Jena ein eigener Bericht für den Freistaat erstellt werden: „Arbeiten in Thüringen – Ergebnisse einer Repräsentativbefragung von Beschäftigten in Thüringen 2013“.

Wichtige Ergebnisse der Analyse sind:

  • Eine Mehrheit der Befragten (57 Prozent) findet grundsätzlich, Thüringen sei ein „guter“ (40 Prozent) oder „sehr guter“ (17 Prozent) Standort für Arbeitnehmer. Die große Mehrheit der Thüringer sorgt sich inzwischen „selten“ (31 Prozent) oder „nie“ (48 Prozent) um ihren Arbeitsplatz.
  • Andererseits gibt nur etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten an, dass ihr Lohn „gut“ (42) oder „sehr gut“ (12 Prozent) zum Leben reicht. Für 12 Prozent reicht der Lohn überhaupt nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.
  • Eine Mehrheit der Beschäftigten in Thüringen (57 Prozent) betrachtet den eigenen Arbeitslohn denn auch nur „in geringem Maße“ (43 Prozent) oder „gar nicht“ (14 Prozent) als angemessen.
  • Dieses Bild variiert allerdings sehr stark mit dem Vorhandensein betrieblicher Interessenvertretungen: Während mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Beschäftigten in Unternehmen mit einem Betriebsrat, Personalrat oder einer Mitarbeitervertretung in „hohem“ oder „sehr hohem Maße“ mit der Entlohnung zufrieden sind, beträgt der Anteil in Unternehmen ohne Interessensvertretung lediglich 28 Prozent.
  • Dennoch gibt es generell eine starke Bindung der Thüringer Arbeitnehmer an ihre Betriebe und an Thüringen. Die große Mehrheit (78 Prozent) der Thüringer identifiziert sich „stark“ (44 Prozent) oder „sehr stark“ (34 Prozent) mit dem Betrieb, in dem sie gegenwärtig arbeiten.
  • 63 Prozent der Befragten fühlen sich in „hohem“ (15 Prozent) oder „sehr hohem“ (48 Prozent) Maße durch ihre Vorgesetzten wertgeschätzt.
  • Daraus folgt dann auch: Die Mehrheit (56 Prozent) würde den Betrieb auch dann nicht wechseln, wenn die Möglichkeit dazu bestünde.
  • Auch die Identifikation mit Thüringen ist hoch: Auf die Frage, ob Thüringen ein lebenswertes Bundesland ist, geben 62 Prozent an, dass dies aus ihrer Sicht „voll und ganz“ zutrifft, weitere 32 Prozent stimmen „eher“ zu.
  • Auffällig ist die weite Verbreitung körperlicher Belastungen, denen die Erwerbstätigen in Thüringen ausgesetzt sind – bei fast drei Viertel von ihnen ist dies „sehr häufig“ (34 Prozent) bzw. „häufig“ (38 Prozent) der Fall.
  • Hinzu kommt eine zunehmende Verdrängung des Normalarbeitsverhältnisses: 38 Prozent der Thüringer Beschäftigten arbeiten im Schicht-dienst. Auch Wochenendarbeit betrifft mehr als zwei Drittel der Beschäftigten.
  • Nachholbedarf besteht bei Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und betrieblichen Unterstützungsleistungen. 62 Prozent der Befragten haben „gar keinen“ Zugang zu Leistungen wie Kinderbetreuungs-, Fahrtkostenzuschüssen oder betrieblicher Altersvorsorge, 20 Prozent nur „in geringem Maße“. Von Angeboten zur Gesundheitsförderung (Gesundheitstage, Massagen etc.) profitiert nur knapp ein Drittel der Beschäftigten.

Für den stellvertretenden DGB-Bezirkschef Witt belegen die Ergebnisse, wie wichtig gewerkschaftliche Mitbestimmung in Betrieben für die Beschäftigten ist. „Das Maß an Einfluss und Gestaltung von Arbeitsbedingungen bestimmt die Zufriedenheit und die Identifikation von Beschäftigten mit ihrer Tätigkeit und dem Betrieb, für den sie arbeiten. Die Handlungsspielräume können aber in den wenigsten Fällen individuell geschaffen werden und sind nicht abgesichert. Die betriebliche Interessenvertretung gerade in größeren Unternehmen schafft Gestaltungsspielräume, die allen Beschäftigten zugutekommen.“

„Die Thüringerinnen und Thüringer sind fleißige, motivierte Beschäftigte mit einer engen Bindung an ihr Land und ihre Unternehmen“, schlussfolgert Wirtschaftsminister Höhn aus der Umfrage zum DGB-Index. Darauf dürften sich Wirtschaft und Politik aber nicht ausruhen. „Bei Löhnen und Arbeitsbedingungen kann und muss Thüringen gerade im Vergleich mit anderen Standorten in Deutschland noch deutlich nachlegen.“ Die Studie zeigt dabei eine Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten für Politik und Wirtschaft auf.

Pressemitteilung des DGB, Bezirk Hessen-Thüringen

 

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